KUER Wettbewerbssieger Intrapore aus Essen gewinnt Award in San Francisco

2015 wurde Dr. Julian Bosch mit seinem Start-up Intrapore Sieger im KUER Businessplan Wettbewerb. Jetzt kam die Bestätigung für die herausragende Qualität seines Geschäftsmodells aus San Francisco. Bei der dortigen internationalen Cleantech Open Global Ideas Challenge, gewann die Intrapore GmbH aus dem Ruhrgebiet in der Kategorie „Growth Track“ und setzte sich gegen eine hochkarätige Konkurrenz aus aller Welt durch.

Die Cleantech Open Global Ideas Challenge ist ein im Rahmen der Global Entrepreneurship Week stattfindender Wettbewerb, der vom Cleantech Open Accelerator ausgerichtet wird. Das Finale des Wettbewerbs in San Francisco fand anlässlich der Cleantech Week vom 6. bis 10. Februar 2017 statt.

Der Internet Plattform Start Green https://start-green.net/aktuelles/nachrichten/die-green-economy-kann-nur-eine-globale-economy-sein/ hat Intrapore Gründer Dr. Julian Bosch ein Interview gegeben, das wir hier gerne übernehmen.

 

Herzlichen Glückwunsch zum Sieg von Intrapore bei der Cleantech Open Ideas Challenge. Wofür genau wurden Sie ausgezeichnet?

Wir wurden im „Growth“-Track der Kategorie „Agriculture, Water & Waste“ für unsere innovative Geschäftsidee ausgezeichnet: Wir dekontaminieren verseuchtes Grundwasser mit der Hilfe reaktiver Nanopartikel. Das Verfahren haben wir mit unseren Partnern in den letzten 8 Jahren entwickelt.

 

Vom Live Pitch beim StartGreen Award in Berlin zur internationalen Bühne in San Francisco – wie haben Sie sich vorbereitet?

Das RKW Kompetenzzentrum in Eschborn lud uns zu einem Vorbereitungstag ein. Das war Teil des Preis-Pakets, das uns als Kandidat für die Cleantech Open Ideas Challenge im Rahmen des StartGreen Awards in Berlin überreicht wurde.

In Eschborn wurden wir persönlich in 1:1 Coachings auf San Francisco vorbereitet und konnten an unserer Präsentation und unseren Medienkompetenzen feilen. Dazu haben wir uns im Team natürlich auch inhaltlich intensiv auf den Pitch vorbereitet.

 

Was genau macht Intrapore? Wie kam Ihnen die Idee zu Ihrem Projekt?

Intrapore hat technologisch führende Verfahren entwickelt, mit denen schadstoffbelastetes Grundwasser tief im Boden dekontaminiert werden kann. Dabei geht es unter anderem um leichtflüchtig chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW). LCKW wurden in Deutschland ab dem Zweiten Weltkrieg zur Entfettung von Metallen und zur Kleiderpflege tonnenweise verwendet. Sie gelangten durch unsachgemäße Beseitigung ins Grundwasser und können zu Schäden der inneren Organe und des zentralen Nervensystems führen. Toxische LCKW-Konzentrationen sind auch heute noch in Böden und Grundwässern zu finden.

Beim innovativen Verfahren von Intrapore wird am kontaminierten Standort ein den jeweiligen Schadstoffen angepasster Nano- und Mikropartikel-Mix in das Grundwasser oder den Boden injiziert. In Tiefen von 5 bis 50 Metern unter der Oberfläche reagieren die Partikel mit dem Schadstoff und bauen ihn ab. Der Vorteil: Der Betrieb an der Oberfläche wird durch den „minimal-invasiven“ und auch vergleichsweise kostengünstigen Eingriff nicht gestört, und die Partikel können maßgeschneidert und zielgerichtet an den Schadstoff gebracht werden. Außerdem können mit diesem Verfahren auch krebserregende Schadstoffe wie Benzol, Toluol und zahlreiche Schwermetalle im Boden neutralisiert werden.

Diese Technik ist ein Ergebnis unserer Zusammenarbeit mit Forschungspartnern in großen EU- und BMBF-Projekten. Die Idee zur Firmengründung kam uns 2013 im EU-Projekt NanoRem: Nachdem die ersten Feldversuche sehr erfolgreich verliefen, fragten wir uns, wer sich im Anschluss an das Projekt um die Technologie „kümmern“ würde. Forschungszentren und Unis haken nach Projektende die Themen häufig ab und wenden sich neuen Projekten zu. Die Markteinführung konnte also nur eine Firma stemmen. Das war die Geburtsstunde unseres Start-ups.

 

Wer hat Sie dabei unterstützt?

Vor allem haben wir uns gegenseitig im Team unterstützt. Hilfe erhielten wir außerdem durch unser Netzwerk aus dem EU-Projekt. Die Startbahn Ruhr hat uns bei unserem Businessplan beraten und uns mit Kontakten unterstützt. (Hinweis: gemeint ist der KUER Gründungswettbewerb)

Das INVEST Zertifikat des BMWi hat uns bei der Suche nach Wagniskapital sehr geholfen. Mit dem INVEST Erwerbszuschuss erhalten Business Angels 20 Prozent ihrer Investition steuerfrei erstattet, wenn sie sich mit mindestens 10.000 Euro Wagniskapital an Start-ups beteiligen. Außerdem können mit dem Exitzuschuss auch Steuern auf Gewinne aus den Investments erstattet werden. Das motiviert natürlich private Investoren – insbesondere Business Angels, in Start-ups zu investieren.

Unsere Firma haben wir 2015 gegründet. Jetzt sitzen wir im Gründungs- und Unternehmenszentrum Triple Z in Essen. Beratung und Unterstützung bekommen wir dort von der EWG – Essener Wirtschaftsförderung.

 

Welche Geldquellen haben Sie gesucht? Wie konnten Sie Investoren überzeugen?

Wir haben uns gezielt nach Seed-Kapital umgeschaut. Letztlich konnten wir die Investoren mit unserer Technologie, mit unserem Team und mit unserem Geschäftsmodell überzeugen.

 

Welche Herausforderungen sehen Sie an Ihrem Beispiel für grünes Gründen in Deutschland?

Wie bei vielen Start-Ups ist die Erst-Finanzierung eine Herausforderung. Zum Glück ist die Gründungslandschaft in Deutschland inzwischen deutlich in Bewegung geraten. Es gibt viele Möglichkeiten, sich ideelle und materielle Unterstützung zu sichern. Grünen Gründern empfehle ich z.B. die EXIST-Programme des BMWi.

 

Was leistet Ihr Projekt für den Klimaschutz? Wie trägt es zum Wandel in der Gesellschaft bei?

Der Klimawandel wird nach unserer Einschätzung in sehr vielen Regionen zu starkem Wassermangel führen. Dann ist Grundwasser das einzige Reservoir für landwirtschaftliche Bewässerung und auch die einzige Quelle für Trinkwasser.

Mit unserer Technologie können wir kontaminiertes Grundwasser reinigen und nutzbar machen. Zu unseren Kunden gehören zahlreichen Eigentümer kontaminierter Grundstücke, Consultingunternehmen und Behörden im In- und Ausland. Für sie planen wir den Einsatz der Nano- und Mikropartikel an den jeweiligen Standorten, liefern die Partikel und führen die Anwendung durch. Damit leisten wir unseren Beitrag zur Bewältigung der Folgen der globalen Erwärmung.

Außerdem sehen wir uns als Vorreiter in der „Environmental Nanotechnology“. Es geht für uns darum, mit Hilfe menschlichen Erfindungsreichtums die Transformation hin zu einer „Green Economy“ zu gestalten.

 

Welchen Tipp haben Sie für Gründerinnen und Gründer in der Green Economy?

Der Green Economy gehört die Zukunft – wir sind erst am Anfang. Also, bei allem Realismus: nur Mut.

 

Lohnen sich Wettbewerbe wie die Cleantech Open Ideas Challenge für grüne Start-ups?

Die Wettbewerbe sind natürlich sehr positive Öffentlichkeitsarbeit. Das Echo in den lokalen Medien und Netzwerken auf einen internationalen Gewinn ist überwältigend. Wer mitmachen kann, der sollte das tun.

Außerdem lernt man grüne Gründer aus aller Welt kennen. Und die „Green Economy“ kann meiner Meinung nach nur eine globale Economy sein. Ich habe jetzt neue Freunde in Kasachstan.